Hier eine Auflistung von sechs typischen Herausforderungen, denen sich ein Social Media Stratege in einem grossen Unternehmen stellen muss:

1. Die traditionelle Firmenkultur bremst den Wandel und den Lernprozess

Die Social Media Wandel eines Unternehmens erfordert eine offene Firmenkultur. Um diese zu erreichen steht an erster Stelle ein interner Lernprozess, der durch Schulungen und Social Media Kompetenzausbildung forciert werden muss. Der wichtigste Ansatzpunkt für Social Media Strategen wird zukünftig die Ausbildung von Mitarbeitern und die Schaffung von Social Media Kompetenz in der Führungsetage sein. Der Social Media Experte hat die Rolle eines Visionärs und Pioniers, der bereit ist viel Frust in Kauf zu nehmen und kein Problem damit hat, regelmässig auf’s neue Kritik von der alten Führungsriege zu ernten, die meist noch in traditionellen Strukturen denkt.

2. Echten ROI nachweisen, nicht nur Engagement-Kennzahlen interpretieren

Jeder Social Media Stratege hat Schwierigkeiten einen echten ROI von Social Media Aktivitäten nachzuweisen, was ganz einfach an der dezentralen Natur, den teilweise unerprobten Kennzahlen und dem Mangel an geeigneten Reporting-Programmen liegt. Die meisten Social Media Strategen berufen sich immer noch ausschliesslich auf Engagement-Kennzahlen wie Fans, Likes und Follower – die Allerwenigsten können wirklich messbar Einkommen und direkten Umsatz durch Social Media nachweisen. Da dieser Zustand auf Dauer unbefriedigend ist, wird es ein elementares Ziel für jeden Social Media Strategen sein, in Zukunft ein verlässliches Reporting-System mit geeigneten Kennzahlen einzuführen.

3. Mit limitierten Ressourcen das gesamte Unternehmen bedienen

Beim Wechsel zur Enterprise 2.0 sehe ich grosse Parallelen zur Umstellung von Organisationen auf Enterprise Resource Planning Systeme wie SAP, Oracle und Co. Mitte/Ende der 90er Jahre. Damals wurde von den Unternehmen die Wichtigkeit der Umstellung auf ERP-Systeme schnell erkannt und in den meisten Fällen mit grosser Umsichtigkeit und ausreichend Ressourcen (Projektmanager, externen Consultants, etc.) bereichsübergreifend eingeführt. Social Media, genau wie ERP, berührt jeden Bereich des Unternehmens, jedoch ist der Unterschied der zur Verfügung gestellten Unternehmensressourcen meist enorm. Ein normales Social Media Teams, auch in grossen Unternehmen, ist zahlenmässig meist extrem schmal gehalten und (wenn überhaupt) nur mit einem kleinen Budget ausgestattet. Eine grosse Herausforderung für den Social Media Strategen wird also sein, ausreichend Budget und Manpower zur Verfügung gestellt zu bekommen, um das gesamte Unternehmen zufriedenstellend und erfolgreich umzustrukturieren.

4. Das sich ständig verändernde Umfeld

Was gestern effektiv und modern war, ist heute veraltet. Der Zufluss ständig neuer Technologien, Netzwerke und Dienstleister etc. fordert vom Social Media Strategen einen konstanten und fundierten Blick auf den Markt. Es gibt über 150 Social Media Monitoring Anbieter, hunderte Sozialer Netzwerke, tausende Social Media Agenturen und täglich neue ehemalige Angestellte, die sich als Social Media Experten selbständig machen. Social Media Strategen müssen lernen sich auf die richtigen Tools zu fokussieren und sich nicht jeder Innovation hinzugeben. Es gilt, dem Unternehmen entsprechend, die richtigen produktiven Entscheidungen zu treffen, am Puls der Zeit zu bleiben und keine wichtige Entwicklung zu verpassen. Auf neue Entwicklungen in Social Media kann man als Unternehmen sowieso nur reagieren.

5. Am Anfang noch als Bedrohung angesehen, steigt bei Erfolg schnell der Neidfaktor

Sobald ein Social Media Stratege im Unternehmen auftaucht, bedroht er die traditionelle Machtstruktur in den unterschiedlichsten Abteilungen, vor allen Dingen im Marketing- und PR-Team. Der Social Media Stratege wird meist mit viel Ablehnung konfrontiert – oft schlägt ihm offener Hass entgegen. Werden im Rahmen seines Social Media Programms dann aber erste Erfolge gefeiert, fangen meist schlagartig auch die anderen Abteilungen mit eigenen Social Media Aktivitäten an, um die noch zu erwartenden Erfolge auf ihr eigenes Konto verbuchen zu lassen. Social Media Strategen müssen sich darauf einstellen sowohl von externer (Kunden) als auch von interner Seite (Mitarbeitern, anderen Abteilungen) täglich Hürden in den Weg gelegt zu bekommen.

6. Die externen und internen Anforderungen und Ansprüche steigen

Je besser im Unternehmen der Effekt, der Nutzen und die Grössenordnung von Social Media verstanden wird, desto grösser wird die Nachfrage nach dem Social Media Strategen im Unternehmen sein. Es gibt viel zu tun – Schulungen, Beratung, Aufsetzen von Facebook Pages, Reporting, Analyse, Monitoring, und… und… und… alles Tätigkeiten, die kaum ein anderer Mitarbeiter im Unternehmen übernehmen kann. Dazu kommen noch die ständig wachsende Anzahl von externen Anfragen über Social Networks. Mit dem Erfolg seines Innovationsprogramms wird ein Social Media Stratege schnell zum gefragtesten Mann des Unternehmens, was es frühzeitig zu berücksichtigen gilt.

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