Seit nunmehr Jahrzehnten schon laufen Design und Musik Hand in Hand.

Design und Musik verweben sich miteinander in den verschiedensten Punkten:
Verpackung, Websites, Poster, Schrift, Logos, Videos, Mode/Fashion, und, und, und…

Nicht nur die Promotionmaschine der Musikindustrie greift auf Designspezialisten zurück – auch das Image, dass das Label oder der Künstler promoten will, wird massgeblich vom Gesamtdesign beeinflusst. Für manche Musiker werden komplette visuelle Brands erschaffen.

Um ihre Gesamt-Ästhetik kreativ beeinflussen zu lassen, engagieren einige Musiker extra Designer – sehr interessant ist aber auch die Anzahl ehemaliger Designer, die mittlerweile sehr erfolgreiche Musiker geworden sind.

Hier ein paar populäre Beispiele:

Justice

Justice, die französische Elektro Band, mittlerweile Grammy-dekoriert, bekannt geworden durch den Song “We Are Your Friends“.

Die Band-Mitglieder Gaspard Augé und Xavier de Rosnay haben beide vor ihrer Musikkarriere als Grafik-Designer gearbeitet. In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit Pitchfork antworteten Justice auf die Frage “Coming from a graphic design background, is it bizarre that music has become such a presence in your life now?” wie folgt:

“We didn’t have time to wonder if it was bizarre or not, we just noticed one day that we were not graphic designers anymore—we were making music. When we think about this, we’re just saying, ‘Wow—it’s weird,’ but it’s cool. It’s almost the same job. As long as you have clear, simple ideas you can do whatever you want. It’s all about making the right decisions at the right moment.”

Richtig ins Spiel kam die Design-Affinität von Justice in ihrem Musikvideo zur Single “D.A.N.C.E.” Beide Band-Mitglieder arbeiteten hierfür Hand in Hand mit Art Director So Me und kreirten gemeinsam ein unglaublich interessantes und komplexes Zusammenspiel von handgeschriebener Typografie und dem Beat des Songs. Nur wenige Videos bestechen mit solcher Liebe zum Detail – es ist klar zu sehen, dass hier die kommerziellen Grenzen des “klassischen” Musikvideos ausgelotet werden sollten.

Die Fähigkeit eine Idee in Kooperation mit anderen Designern kreativ auszuarbeiten und dabei zu solch erfolgreichen Ergebnissen zu kommen beweist, dass hinter Justice mehr steckt als nur eine Musikgruppe – es dreht sich alles um eine grosse Vision und es herrscht ein bedingungsloses Commitment zur Kreativität.

Kanye West

Kanye West ist ein mit Awards überschütteter Musikproduzent und einer der erfolgreichsten Hip-Hop Künstler der Welt.

Bevor er seinen ersten Plattenvertrag mit Jay-Z’s Roc-A-Fella Records unterzeichnete, war Kanye West Student für Kunst und Design an der American Academy of Art in Chicago.

Design und Kunst hatten ganz offensichtlich schon immer einen grossen Einfluss auf Kanye Wests Leben und seine Arbeit. Als er in einem Interview mit dem Rolling Stone aus dem Jahre 2006 gefragt wurde, wie er sich selbst beschreiben würde, antwortete er mit den den Worten: “Ich bin ein Designer.”

Letzten Sommer hospitierte Kanye West als Praktikant beim italienischen Fashion Label Fendi – er wollte sich einen Einblick in eine andere Branche verschaffen und sich frei machen von der Musikindustrie.

Über seinen Twitter-Account offenbarte uns Kanye West erst vor kurzem seine Typografie-Affinität: “Sometimes I get emotional over fonts.”

Im Zuge der Veröffentlichung seines letzten Albums “My Beautiful Dark Twisted Fantasy” verteilte Kanye West in wöchentlicher Frequenz eine Reihe von kostenlosen Songs unter seinen Fans (GOOD Fridays). Für jeden einzelnen Release wurde ein eigenes Cover erstellt, mit umsichtig ausgewählter Typografie und fotografischem Artwork.

Später veröffentlichte er den 35-minütigen Kurzfilm “Runaway” mit Musik von seinem neuen Album. Kanye West selbst führte dabei Regie, das Drehbuch schrieb Hype Williams und die Art Direction wurde von Vanessa Beecroft übernommen. Wieder einmal zeigte Kanye West, dass er nicht nur kreativ ist, sondern auch jederzeit dazu imstande ist grossartige Talente für gemeinsame Kreativ-Projekte zu gewinnen.

Kanye West mag ein talentierter Rapper und Produzent sein, aber sein Talent umfasst viel mehr als nur die Musik.

Gorillaz

Gorillaz sind eine virtuelle Band, geschaffen vom ehemaligen Blur-Frontmann Damon Albarn und vom britischen Grafikdesigner und Illustrator Jamie Hewlett.

Bevor er sich der visuellen Identität der Gorillaz annahm, machte sich Hewlett durch seine Arbeit an dem weltbekannten Comic Tank Girl einen Namen.

Die Band Gorillaz besteht aus vier animierten Charakteren: Murdoc, 2D, Russel, und Noodle. Als Quelle seiner Inspiration für die Entstehung des Gorillaz-Konzepts bezeichnet Hewlett die fehlende kreative Substanz von MTV:

“…if you watch MTV for too long, it’s a bit like hell—there’s nothing of substance there. So we got this idea for a cartoon band, something that would be a comment on that.”

Die Gorillaz sind sozusagen der Inbegriff einer Band, die bei Design und Illustration aus den Vollen schöpft. Der Look der Band ist immer einheitlich in allen Medien. Die Bandmitglieder können eigenwillig, hintervotzig, unverschämt aber auch pathetisch und getragen sein. Sie können virtuell jede Emotion porträtieren, die der entsprechende Song transportiert. Menschliche Fehltritte kann es nicht geben – alles wird vom Designer kontrolliert – Emotionen, Charakteren, das Umfeld, einfach alles! Jede Charaktere unterscheidet sich von ihrer Persönlichkeit her vollkommen von der anderen – basierend auf Hewletts Vision. Dazu hat jedes virtuelle Bandmitglied noch seinen eigenen Twitter-Account und seine eigene Facebook Page mit tausenden von Followern und Freunden.

Von solch einer Image-Kontrolle können viele Marketers und Plattenfirmen nur träumen.

Ins Guiness Buch der Rekorde haben es die Gorillaz jedenfalls schon geschafft – als erfolgreichste virtuelle Band der Welt.

Wenn Image alles ist, dann sind Hewlett, Albarn und die Gorillaz Meister ihres Fachs.

Und das ist nicht alles

Andere Künstler wie M.I.A., Death in Vegas und Underworld schaffen ebenfalls den Spagat zwischen Design und Musik. Die Grenzen zwischen Kultur, Profession und Genres verschwinden immer mehr.
Mashups von Design und Musik werden fortgeführt werden und immer neue Wege finden die Erwartungen von Fans und Konsumenen zu übertreffen.

Schlussfolgerung: Wenn man heutzutage das unbedingte Verlangen verspürt ein erfolgreicher Musiker zu werden, wäre es nicht die schlechteste Strategie mit einem Job als Grafik-Designer zu beginnen!

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