Wer hätte das gedacht?

Das saysaysay Feature geht bereits in die dritte Runde.

Nachdem ich die Chance hatte Daniel Rehn und der wunderbaren Filiz Schulz ein paar persönliche Fragen zu stellen, ist diesmal David Schumann an der Reihe.

Wie bin ich auf David Schumann gekommen?

Seine Story, wenn auch schon mehrfach medial aufgerollt, ist extrem spannend und höchst unterhaltsam – vor allen Dingen ist David aber ein wirklich interessanter Charakter – inspirierend und faszinierend zugleich, weil er sich nicht verbiegen lässt, immer sein Ding durchzieht und ein absolut selbstbestimmtes Leben führt. Noch dazu teilen wir die gleichen Leidenschaften: Musik und Fussball (wenn auch mit unterschiedlichen Vorlieben).

Zu Davids Geschichte will ich gar nicht viele Worte verlieren – man kann sie u.a. in der GQ, in der SZ oder in der FR nachlesen.

Im Endeffekt reicht es, einfach David Schumann zu googlen – man findet hunderte Links zu seiner Story und annähernd tausend Bilder, die bekanntlicherweise mehr sagen als Worte.

David habe ich vor knapp 2 Jahren über meinen damaligen Kollegen Jan kennengelernt. Wir suchten nach einem kreativen Schreiber für ein Projekt, das leider nie zustande gekommen ist. Im Zuge dessen hatte ich mir Davids Buch “The Tokyo Diaries” durchgelesen, das mich sehr beeindruckt hat. Wenn man es genau nimmt, habe ich ihn erst zwei Mal im Real Life getroffen – beide Male kurz in Hamburg. Durch Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter hatte ich aber immer das Gefühl in gutem Kontakt mit ihm zu stehen (lustigerweise folgt mir David, der Schalke 04 Fan ist, nicht mehr auf Twitter, da ich mich dort, seiner Meinung nach, zu oft zu positiv über den FC Bayern äussere).

Im folgenden Feature habe ich David Schumann 7 persönliche Fragen gestellt, die er mir knackig, mit guten, interessanten Geschichten und grosser Offenheit beantwortet hat.

CHECK IT OUT!!!

Erzähle etwas über Deine momentane Situation, z.B.: Was machst Du beruflich? Wie fühlst Du Dich?

Ich bin ja vor 2 Jahren zum ersten Mal für längere Zeit aus Japan nach Köln zurückgekommen, teilweise auch um mich beruflich zu verändern, wenn man das so ausdrücken möchte. Ich hatte vorher ja nur professionell gemodelt, was die Miete immer ganz gut bezahlt hatte, einen aber eben oft auch unerfüllt und leer zurückgelassen hatte, da es eben eine sehr oberflächliche Art der Arbeit ist. Ich hatte das ja auch nie geplant oder so, das ist ja einfach irgendwie passiert. Und nach 4 Jahren in dem Job hab ich mir dann eben gedacht: Jetzt reicht’s einfach. Zu dem Zeitpunkt ist ja auch mein Buch erschienen und ich habe das dann sozusagen als Vorwand für mich selbst genommen zu sagen: So, neuer Lebensabschnitt. Ich bin dann 2010, um Promo für die Tokyo Diaries zu machen, nach Deutschland zurückgekehrt und dann einfach hier geblieben. Meinen ganzen Hausstand in Tokio hab ich einfach da gelassen. Ich bin dann mit dem Buch monatelang auf Tour gewesen, was eine wirklich großartige Zeit war und mir unmissverständlich gezeigt hat: Das willst du machen. Dann hat mich irgendwann jemand von 1LIVE, dem jungen Radio des WDR, angesprochen ob ich da nicht als Autor anfangen wolle, was ich dann auch getan habe und bis heute tue. Nebenbei arbeite ich an meinem zweiten Buch, übersetze manchmal japanische Sachen, arbeite als Dolmetscher und spiele in einer großartigen Punkband namens LYON ESTATES.

Was inspiriert Dich?

Meistens sind die raren Momente der Inspiration vollkommen zufällig. Man kann sowas nicht planen, zumindest ich nicht. Das sind meistens Momente aus dem Leben. Man sitzt irgendwo, unterhält sich, denkt nach oder sieht irgendwas – und BÄM, da ist die Idee für eine Geschichte, einen Song oder was auch immer. Ich schreibe am liebsten über Dinge die ich selbst erlebt habe oder die mich zumindest relativ direkt in irgendeiner Form betreffen. Deshalb inspirieren mich auch am häufigsten Dinge, die mir oder in meinem direkten Umfeld passieren. Als ich zum Beispiel neulich – wenige Tage nach der Katastophe in Japan – eine Lesung hatte und einer ziemlich großen Zahl von Leuten dabei und danach die japanische Kultur nahebringen und die Situation vor Ort erklären konnte, habe ich mich ziemlich „sinnvoll“ gefühlt, ganz im Gegensatz zu den jahrelangen Modeljobs vorher. Das hat mich nochmal richtig gekickt und mir gezeigt, dass ich auf einem guten Weg bin und so weitermachen sollte. Dazu mag ich die journalistische Arbeit fürs Radio. Wissen vermitteln auf eine interessante und humorvolle Art und Weise. Das ist schon alles nicht so schlecht.

Welche konkreten Persönlichkeiten bewunderst Du? Warum?

Eine meiner Lieblingsbands – THE WONDER YEARS – haben auf ihrer neuen Platte eine Textestelle, die geht: “Growing up means watching my heros turn human in front of me”. So ungefähr geht mir das auch. Als Jugendlicher hatte ich viele Leute, die ich bewundert habe, in erster Linie Musiker von Punk und Hardcore Bands. Ray Cappo von YOUTH OF TODAY hatte z.B. einen ziemlich großen Einfluss auf mich. Wegen seiner Band und seinen Texten bin ich irgendwann Straight Edge geworden, habe dann auch 7 Jahre lang drogenfrei gelebt und so. Allerdings ist Ray Cappo irgendwann zu den Krishnas gegangen, was ich natürlich nie verstehen konnte. So ist es eben bei vielen Persönlichkeiten, die man bewundert: Sie sind auch nur Menschen und werden irgendwann Scheiße bauen. Klar gibt es Leute wie Charles Bukowski oder Karl Marx die ich wegen ihren Werken für immer bewundern werde. Oder Fußballer wie Raúl Gonzalez Blanco, die trotz ihrem unglaublichen Superstar-Status immer cool und bescheiden geblieben sind. Unterm Strich bleiben aber über die Jahre nicht allzu viele davon übrig. Sobald jemand irgendwas gut kann und Erfolg damit hat, korumpiert dieser Erfolg die meisten Leute. Es gibt nur sehr wenige, die sich davon nicht beirren lassen und einfach ihren Weg fortsetzen. Aber wenn sie es tun, ist ihnen meine Bewunderung sicher.

Womit verbringst Du Deine Zeit am liebsten?

Am liebsten besoffen auf einem guten Date mit einer wunderbaren Frau. Dieses Gefühl ist im Prinzip unschlagbar. Im Zweifelsfall tun es aber auch meine Freunde, entweder hier in Köln oder beim Fußball in der Arena auf Schalke. Ich gehe auf jeden Fall sehr gerne aus, trinke Bier und verbringe meine Zeit mit Leuten, die ich mag und von denen ich das Gefühl habe, dass sie mir etwas geben. Inspiration, Spaß, was auch immer. Natürlich gibt es aber auch Tage an denen ich gerne zuhause bleibe, ein Buch lese, Serien gucke – It’s always sunny in Philadelphia zum Beispiel! – schreibe oder einfach nur im Bett liege und mit Freunden in Japan oder sonstwo chatte.

Beschreibe einen Moment, der Dein Leben verändert hat?

Nur einen? Ich habe das Gefühl, dass es in regelmäßigen Abständen solche Momente gibt… In meinem Fall wäre es aber natürlich der Moment, in dem mich 2005 die Fotografin in Japan angesprochen hat, ob ich nicht Fotos machen wolle. So bin ich Model geworden, habe unglaublich Dinge erlebt, ein Buch darüber schreiben und veröffentlichen und so auch das Leben führen können, das ich im Moment führe. Ohne diese Model-Sache wäre mein Leben definitiv anders verlaufen und ich bin sehr froh über alles was seitdem passiert ist. Im Prinzip sind es aber nicht solche Momente, die das Leben verändern, sondern wie man daraufhin mit den Möglichkeiten, die sich einem bieten, umgeht. Es bringt meistens nicht viel passiv zu sein und abzuwarten. Am besten man nimmt immer alles in die eigene Hand, so kann man später zumindest nicht sagen, nicht immer alles versucht zu haben.

Was gefällt Dir an Deinem Leben am besten?

Ich muss nicht besonders viel arbeiten um meine Miete bezahlen zu können. Ein paar Tage im Monat bei 1LIVE, eine Übersetzung hier und da, dazu die Buchverkäufe. So habe ich viel Zeit für mich und kann die Dinge tun, die ich wirklich tun will, also ein weiteres Buch schreiben, in einer Band mit meinen besten Freunden spielen, viel feiern und so weiter. Im Prinzip lebe ich wirklich so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Arbeit, die mir Spaß macht, kombiniert mit einer großen Menge Freizeit. Ich glaube, anders ginge es bei mir auch gar nicht. An einem normalen 9to5 Job würde ich definitiv zugrunde gehen.

Was hast Du in der nächsten Zeit Großes vor?

Auf jeden Fall mein zweites Buch schreiben und veröffentlichen. Ich habe schon die ersten 20, 30 Seiten fertig und kann es nicht abwarten endlich mehr zu schreiben. Es geht diesmal auch nicht um Japan, sondern um Jugend, Aufwachsen und Punkrock. Außerdem spiele ich mit meiner neuen Band in ein paar Wochen unser erstes Konzert, zusammen mit den von mir vergötterten MAN OVERBOARD und POLAR BEAR CLUB. Im Laufe des Jahres wollen wir auch ins Studio und Songs aufnehmen. Ich habe in meiner Zeit als Musiker schon viele 7“ Singles und dergleichen veröffentlicht, aber nie ein ganzes Album. Das wäre also mein nächstes großes Ziel. Und natürlich möchte ich weiter so oft es geht Lesungen abhalten. Wie zum Beispiel dieses Jahr auf dem Melt! Festival.

David Schumann im Web:

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The Tokyo Diaries bei Amazon:

The Tokyo Diaries: Einblicke in ein unbekanntes Japan – Taschenbuch
The Tokyo Diaries – Broschiert

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