
In letzter Zeit wurde Social Media zum wiederholten Male von bekannten Marketing Managern und Business Analysten für tot erklärt. Matt Creamer schrieb, dass Popularität in Sozialen Netzwerken in keiner Weise Influence oder Verkäufe beeinflusst. Rance Crain wiederum schrieb, dass Werber und Marketers keine Ahnung davon haben, was der Sinn und Zweck von Social Media sein soll (“…advertisers don’t even know what the primary purpose of social media is supposed to be.”)
Bei zwei Statements gebe ich Creamer und Crain und dem Rest der “Social Media ist tot” Fraktion in zwei Punkten recht:
“… social media … threatens to warp our understanding of influence” (Creamer)
“it’s a jungle out there, and advertisers aren’t even sure what the latest entries are supposed to do for them” (Crain)
Leute, Social Media ist nicht tot – das Social Web lebt, nur Ihr merkt es nicht, weil Ihr nicht darin lebt, es nicht versteht und Euch nicht die Zeit nehmt es kennenzulernen.
Bevor ich jetzt aber anfange Social Media zu verteidigen – eine kurze Frage an die Leser:
Habt Ihr in den letzten 5 Jahren nur aufgrund einer TV- oder Print-Werbung ein hochpreisiges Produkt, wie z.B. ein Auto, ein Flat-Screen TV oder eine Digitalkamera gekauft? Oder habt Ihr vorher Online-Reviews gelesen, Freunde nach Ihrer Meinung über das Produkt gefragt und dann vielleicht noch nachgeschaut, was die Firma selbst über das Produkt auf ihrer Website erzählt?
Was kann Social Media für eine Unternehmen tun?
Social Media ist nicht dazu da irgendetwas für ein Unternehmen zu tun. Ein Twitter-Account oder eine Facebook Fanpage ist kein Ersatz für integrierte Marketing-Kampagnen.
Was Social Media wirklich für uns und für Unternehmen getan hat: Das generelle Verständnis für den Begriff Influence zu verändern. Influence im Social Web bringt Menschen dazu ihr Verhalten zu verändern – und noch dazu kann Influence zu Verkäufen führen. Im Internet können Menschen heutzutage auf eine Fülle von Informationen zurückgreifen und eben dies tun sie auch – bevor sie ein Unternehmen um Informationen über ein Produkt bitten, wenden sie sich vorab an die Menschen im Web, um Informationen über Produkte zu erhalten.
Und es gibt einen Grund dafür: Jahrzehntelang haben Marken gelogen, übertrieben, schlechte Sachen schön geredet und waren generell einfach nicht freundlich gegenüber ihren Kunden eingestellt. Social Media hat das Machtgleichgewicht verändert – nun hat der Käufer die Möglichkeit und die Tools sich mit anderen Menschen über Marken und Produkte auszutauschen. Kluge Unternehmen und Marken nutzen ihre Chance und nehmen an der Konversation teil.
Kann Social Media Unternehmen helfen Geld zu verdienen?
Gary Vaynerchuk hat durch die Nutzung von Social Media (Twitter, YouTube und Facebook) sein Privatvermögen von 4 Millionen auf 50 Millionen Dollar wachsen lassen.
Seine charismatische Persönlichkeit, seine Extroveriertheit und seine Innovativität haben sein Geschäft Wine TV Library zu einem Riesen-Erfolg werden lassen. Und ja, er verkauft Wein – Wein-Hersteller und Winzer wetteifern darum einen Review von Vaynerchuk zu bekommen, denn er weiss wie man richtig verkauft!
Nach eigenen Angaben hat BlendTec durch ihre virale Video Serie “Will it Blend?” die Verkäufe um 700% erhöht. In den Videos wirft BlendTec-Chef Tom Dickson diverse bekannte Produkte, unter anderem elektronisch Geräte wie z.B. das iPad, in den Mixer – und ja, BlendTec verkauft Mixer und zwar im Hochpreissegment.
Dann gibt es noch Justin Bieber, einer der vielen Social-Media-Made Internet Stars, die mittlerweile den Sprung in den Mainstream geschafft haben. Vor knapp einem Jahr erreichte seine erste Single “One Time” Platz 20 in den Billboard 100 Charts – Monate bevor sein erstes Album überhaupt veröffentlicht wurde. Zur gleichen Zeit hatte das dazugehörige Video schon knapp 40 Millionen Views auf YouTube, mittlerweile sind es bereits 220 Millionen. Verkauft er mittlerweile viele CDs, Konzerttickets, Klamotten oder anderes Merchandising? Na klar tut er das!
Wie man mit Social Media Erlöse erzielt und aus Kunden Markenbotschafter und Evangelisten macht
• Man benötigt ein grossartiges Produkt oder eine hervorragende Dienstleistung. Wenn das Produkt nichts taugt, wird es auch nicht durch Social Media gerettet.
• Integriert denken und arbeiten – Online, Social und Mobile muss in alle Offline Werbekampagnen integriert werden, genauso wie in Events, PR, Direktmarketing, Sales Promotion, etc. (Best Buy ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es richtig macht)
• Unterhaltsame Inhalte und Entertainment sind ein guter Start, wie man bei BlendTec sehen kann – aber das alleine reicht nicht aus. Der Schlüssel liegt, auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, im integrierten Denken – Social Media, Online und Mobile müssen in die Offline Aktivitäten integriert werden.
• Social Media muss in die Produktentwicklung einbezogen werden. Das spart Marktforschungs- und Testing-Kosten und stärkt die Marken-Loyalität der Kunden. Dell macht es vor!
• Es müssen Produkte und Services verkauft werden, die Käufer wirklich haben wollen – so erspart man sich auch Gefahr zu laufen die Kunden mit Werbenachrichten zu erschlagen.
• Social Media für technischen Kundenservice oder generellen Support zu nutzen bietet sich an. Twitter hat bei einigen Firmen zu enormen Kosten-Einsparungen im Kundensupport geführt, z.B. bei Best Buy, Verizon oder ComCast.
Also ja, it’s a jungle out there – und ja, für Werber und Marketer ändert sich momentan gerade ziemlich viel. Wir befinden uns in der frühen Phase einer Kommunikations-Revolution. Es ist also mit Sicherheit zu früh Social Media für tot zu erklären und abzuschreiben.
Es kann sein, dass Twitter und Facebook bald nicht mehr im Trend liegen (was ich bezweifle). Das wird aber nicht nicht heissen, dass die Zeit von Social Media vorbei ist – das wird lediglich heissen, dass Social Media sich weiterentwickelt.
